Der Biotech-Sektor – Stets ein gutes Investment?

Steffen Ibrom

Eine kritische Einordnung der Privatanlagemöglichkeiten im Biotechnologie- und Gentechnik-Sektor

Insgesamt verliefen die letzten Jahre für die Weltwirtschaft durchweg positiv. Seit der Wirtschaftskrise im Jahr 2008/2009 erleben wir eine der am längsten anhaltenden Boom-Phasen überhaupt. Auch der Biotechnologiesektor ist Teil dieser positiven Entwicklung und wies in den vergangenen Jahren zum Teil sogar größere Wachstumsraten auf. Zeit für uns also, die Entwicklung einmal kritisch zu beleuchten. Biotech im Überblick Biotechnologie findet sich in der Landwirtschaft und auch in der Industrie, jedoch ist die Medizin der mit Abstand vielversprechendste Industriezweig. Außerdem ist der Sektor geprägt durch viele Übernahmen. So ist mit der geplanten Übernahme von Celgene durch den US-Konzern Bristol-Myers Squibb (für rund 74 Milliarden Dollar) vorerst ein neuer Höhepunkt in der Pharmabranche erreicht. Zusammenfassend gehört die Biotechnologie also zu den dynamischsten Sektoren. Anlagemöglichkeiten Anleger haben verschiedene Möglichkeiten, von Biotech-Werten zu profitieren. Einerseits ist es möglich, direkt in die jungen, vielversprechenden Unternehmen zu investieren. Ein Gewinn ist möglich, falls diese Unternehmen mit ihrer Forschung Erfolg haben oder wenn sie von größeren Konzernen übernommen werden. Alternativ bieten etablierte Unternehmen eine etwas weniger schwankende Anlagemöglichkeit. Drittens besteht die Chance, durch ein Investment in die Zulieferer der forschenden Unternehmen am allgemeinen Erfolg der Branche teilzunehmen. Letztendlich können auch spezielle Fonds für Anleger interessant sein, da sie ihr Kapital breit am Markt anlegen und somit ihr Risiko auf viele Aktien streuen. Ein Vorteil deutscher Biotechs ist, dass sie im Vergleich zu US-Werten deutlich günstiger sind. Und die Probleme? Gegen den Kauf von Aktien junger Unternehmen spricht, dass in etwa 85 Prozent aller Medikamententwicklungen vor der Zulassung scheitern. Anleger haben also beim Kauf einer Einzelaktie eine 15-prozentige Chance, dass ihr Investment das Richtige war. Gerade kleine, innovative Unternehmen bieten daher ein hohes Risiko. Außerdem haben Biotech-Firmen hohe Kosten für die Forschung und Entwicklung ihrer Produkte und in der Regel dauert es bis zur ersten Markteinführung sehr lange. Anleger brauchen also einen langen Atem. Darüber hinaus bieten sich auch Risiken bei der Investition in spezielle Biotech-Fonds. Allgemein genießen Fonds-Investments den Ruf, ein geringeres Risiko zu haben, weil Fonds ihre Risiken breiter streuen. Jedoch investiert ein Großteil der Fonds schwerpunktmäßig in US-amerikanische Biotechs. Problematisch ist dies zum einen, weil nur über eine breite regionale Streuung auch eine effektive Streuung des Risikos möglich ist. Zum anderen bedeutet dies, dass der Fonds schwerpunktmäßig in US-Dollar investiert ist. Europäische Anleger sind also einem Wechselkursrisiko ausgesetzt, wenn sie in diesen Fonds investiert sind. In jedem Fall lohnt es sich, genau zu prüfen, wie ein Fonds sich zusammensetzt. Letztlich muss ein Investment auch vor dem Hintergrund abgewogen werden, dass die derzeit bestehende gute Konjunkturphase bereits recht lange besteht und sich die Zeichen für eine negative Entwicklung der Aktienmärkte vermehren. Neben dem anstehenden Brexit oder dem schwelenden Handelsstreit zwischen den USA und China gibt es weitere Krisen, die die Wirtschaft negativ beeinflussen könnten. Bisher waren zwar vor allem kleinere Biotech-Firmen in ihrer Entwicklung eher unabhängig von der allgemeinen Konjunktur, da ihr Wert sich vor allem aus dem möglichen Erfolg ihrer Forschung ergab. Interessant wird sein, ob diese antizyklische Eigenschaft auch in der nächsten Krise bestehen bleibt!

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