Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Verätzungen im Labor

Dr. Tino Köster

Von der Notdusche bis zur amphoteren Spüllösung - Wirksame Erste-Hilfe-Maßnahmen bei chemischen Verätzungen im Labor.

Unfälle mit Säuren und Laugen gehören zu den schwerwiegendsten Notfällen im Labor, da diese Stoffe bereits nach kurzer Einwirkzeit zu tiefen Verätzungen von Haut, Augen und Schleimhäuten führen können. Aus diesem Grund verlangen die einschlägigen Regelwerke, insbesondere die Technischen Regeln für Gefahrstoffe TRGS 526 „Laboratorien“ sowie die Vorgaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), klar definierte Erste-Hilfe-Maßnahmen und eine geeignete Notfallausstattung.

Grundprinzip jeder Ersten Hilfe bei Säure- oder Laugenunfällen ist das sofortige Beenden der Exposition und das unverzügliche Spülen der betroffenen Körperstelle. Gelangen Säuren oder Laugen auf die Haut, müssen kontaminierte Kleidung und Schmuck rasch entfernt und die Haut mindestens 10 - 15 Minuten mit viel Wasser gespült werden. Neutralisationsversuche sind ausdrücklich zu vermeiden, da sie durch Wärmeentwicklung zusätzliche Gewebeschäden verursachen können. Bei größeren Verätzungen oder starken Schmerzen ist umgehend der Rettungsdienst zu alarmieren.

Besonders kritisch sind Unfälle am Auge. Hier gilt jede Exposition als medizinischer Notfall. Das Auge ist sofort bei geöffneten Lidern an der Augendusche intensiv zu spülen, idealerweise über 10 - 20 Minuten, und anschließend augenärztlich untersuchen zu lassen – auch dann, wenn die Beschwerden scheinbar nachlassen.

Neben Wasser kommen in vielen Laboren heute amphotere Spüllösungen als ergänzende Maßnahme zum Einsatz. Diese Lösungen, wie sie etwa vom Hersteller Prevor entwickelt wurden, enthalten spezielle amphotere Wirkstoffe, die sowohl Säuren als auch Laugen chemisch binden können. Zusätzlich sind sie häufig leicht hypertonisch, sodass sie eingedrungene Chemikalien osmotisch aus dem Gewebe zurückziehen. Dadurch kann die Eindringtiefe aggressiver Stoffe reduziert und der Gewebeschaden begrenzt werden. Amphotere Spüllösungen ersetzen jedoch keine Not- oder Augenduschen, sondern stellen eine sinnvolle Ergänzung dar, insbesondere für den mobilen Ersteinsatz.

Bei Einatmen von Säure- oder Laugendämpfen ist die betroffene Person sofort an die frische Luft zu bringen und bei Atembeschwerden ärztlich zu versorgen. Beim Verschlucken gilt: Mund ausspülen, kein Erbrechen auslösen und sofort medizinische Hilfe anfordern. Sicherheitsdatenblätter liefern hierbei wichtige stoffbezogene Hinweise. Insgesamt sind regelmäßige Unterweisungen, funktionierende Spüleinrichtungen und klare Notfallabläufe entscheidend für eine wirksame Erste Hilfe im Labor.

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