Gefährlich oder nicht – Ethidiumbromid-Ersatzstoffe richtig entsorgen

Dr. Tino Köster

Bei Ethidiumbromid-Ersatzstoffen heißt weniger gefährlich nicht automatisch unproblematisch

Ethidiumbromid war lange der Standardfarbstoff zur Visualisierung von DNA- und RNA-Fragmenten in z. B. Agarose- und Polyacrylamidgelen. Aufgrund seiner nukleinsäureinterkalierenden Eigenschaften und seines mutagenen Potenzials wird es in vielen Laboren jedoch zunehmend durch alternative Fluoreszenzfarbstoffe ersetzt. Klassische Ethidiumbromid-Abfälle wie kontaminierte Gele, Handschuhe, Pipettenspitzen, Färbelösungen und Laufpuffer werden üblicherweise als gefährlicher Sonderabfall gesammelt und nicht über Restmüll oder Ausguss entsorgt.

Als Ersatzstoffe kommen heute u. a. SYBR™ Safe, SYBR™ Gold, SYBR™ Green, GelRed®, GelGreen®, EvaGreen®, Midori Green oder GelStar® zum Einsatz. Diese Produkte unterscheiden sich jedoch erheblich in Zusammensetzung, Gefährdungseinstufung und Entsorgungsvorgaben. SYBR™ Safe wird beispielsweise ausdrücklich als weniger gefährliche Alternative zu Ethidiumbromid vermarktet, während für SYBR-Farbstoffe allgemein weiterhin empfohlen wird, sie mit der gleichen Sorgfalt wie andere Nukleinsäurefarbstoffe zu behandeln.

Auch bei weiteren Ersatzfarbstoffen sind die Vorgaben nicht immer einheitlich. GelRed® und GelGreen® werden vom Hersteller als nicht mutagen und für eine weniger aufwendige Entsorgung beschrieben. Bei anderen Farbstoffen wie EvaGreen® finden sich in Sicherheitsdatenblättern dagegen Hinweise, dass eine Einleitung in Abfluss oder Gewässer zu vermeiden ist.

Für die Praxis bedeutet das: Eine pauschale Entsorgung nach dem Motto „Ethidiumbromid-frei gleich ungefährlich“ ist nicht fachgerecht. Vor der Entsorgung muss immer das aktuelle Sicherheitsdatenblatt des konkret verwendeten Produkts geprüft werden. Zusätzlich sind die lokalen Vorgaben der jeweiligen Einrichtung für Sonderabfallentsorgung zu prüfen.

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