Risikobewertung der Aviären Paramyxoviren 2 – 21

Dr. Joachim Kremerskothen

Stellungnahme der ZKBS zur Risikobewertung der Aviären Paramyxoviren 2 – 21 (APMV-2 bis -21) als Spender- oder Empfängerorganismen gem. § 5 Abs. 1 GenTSV (2019)

Die Aviären Paramyxoviren 2 – 21 (APMV-2 bis 21) gehören innerhalb der Familie der Paramyxoviridae zu den Gattungen Ortho-, Meta- und Paraavulavirus. Zusammen sind diese Gattungen in die Subfamilie Avulavirinae eingeordnet. Die APMV weisen große Ähnlichkeit zu dem am besten charakterisierten Vertreter der Avulaviren, dem Newcastle disease virus auf (auch APMV-1, Spezies Avian orthoavulavirus 1). APMV-1 wurde von der ZKBS in die Risikogruppe 2 eingestuft.

Alle APMV besitzen ein Genom aus einer einzelsträngigen (-) RNA und sind vermutlich weltweit verbreitet. So konnten neben APMV-1 auch APMV-2 bis 9 bei Wildvögeln und Nutzgeflügel aus verschiedenen Ländern gefunden werden. Zu APMV-10 bis 21 liegen bislang nur wenige Erkenntnisse vor. Mehrere der erst kürzlich identifizierten APMV konnten jedoch aus Pinguinen isoliert werden. Mäuse und Hamster konnten zumindest experimentell mit verschiedenen APMV infiziert werden, wobei die Tiere keine oder nur eine sehr milde klinische Symptomatik aufwiesen. Natürliche Infektionen des Menschen mit APMV sind bislang nicht beschrieben, jedoch können solche nicht ausgeschlossen werden, da zumindest APMV-2 auch aus Javaneraffen isoliert wurde.

In Abhängigkeit von der Wirtsspezies rufen APMV-2, -3, -4, -6 und -7 besonders bei Vögeln eine milde bis moderate respiratorische Erkrankung hervor. APMV-5 führt bei Wellensittichen dagegen zu einer schweren Erkrankung, die mit Torticollis, Diarrhö, Dyspnoe und einer hohen Letalität assoziiert ist. Den APMV-8 bis 21 konnte bislang noch kein natürliches Krankheitsbild bei Vögeln und anderen Tierspezies zugeordnet werden.

Basierend auf den vorliegenden Daten und anhand der Kriterien aus der GenTSV ordnet die ZKBS die APMV-2 bis 21 als Spender- und Empfängerorganismen für gentechnische Arbeiten der Risikogruppe 2 zu. APMV-2 bis -21 sind bisher nur wenig charakterisiert, besitzen jedoch vermutlich ein breites Wirtsspektrum, welches neben Vögeln auch Mäuse, Hamster und evtl. auch den Menschen umfassen kann. Da APMV untereinander große Ähnlichkeit aufweisen und für einige Vertreter eine Pathogenität für verschiedene Vögel belegt ist, kann somit ein geringes Gefährdungspotenzial aller APMV (insbesondere für Nutzgeflügel) nicht ausgeschlossen werden. Berücksichtigt werden muss, dass die Übertragung von APMV vermutlich sowohl über die respiratorische als auch die fäkal-orale Route erfolgen kann.

Die Stellungnahme kann unter dem Aktenzeichen Az. 6790-05-02-0072 abgerufen werden.

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