Risikobewertung des Bovinen Coronavirus
Dr. Joachim Kremerskothen
Die ZKBS hat in ihrer Stellungnahme vom Juni 2021 das Bovine Coronavirus als Spender- und Empfängerorganismus in die Risikogruppe 2 eingestuft.
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Das Bovine Coronavirus (BCoV oder BCV) ist ein Vertreter der Spezies Betacoronavirus 1 aus der Familie Coronaviridae. Es ist ein behülltes Virus mit einem nicht-segmentierten RNA-Genom positiver Polarität. Bovine Coronaviren fügen der globalen Landwirtschaft schwere wirtschaftliche Verluste zu, indem sie weltweit Erkrankungen des Verdauungstrakts und der Atemwege in Rindern verursachen, die mit einer erheblichen Morbidität und Mortalität verbunden sind. Eine BCoV Infektion ist dabei häufig mit drei distinkten klinischen Syndromen assoziiert: Neugeborenen-Diarrhoe bei Kälbern, Winterdysenterie (hämorrhagischer Durchfall) in ausgewachsenen Tieren und respiratorische Infektionen als Teil des Krankheitskomplexes Rindergrippe (bovine respiratory disease complex, BRDC) in Rindern verschiedenen Alters. BCoV kann auch im Atmungs- und Verdauungstrakt von gesunden Tieren nachgewiesen werden. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass BCoV persistente Infektionen bei den Tieren auslöst. Die Übertragung der Viruspartikel findet über die fäkal-orale und respiratorische Route statt. Da BCoV Viruspartikel bei niedriger Umgebungstemperatur und reduzierter UV-Strahlung stabiler sind, steigen die Übertragungs- und Erkrankungsraten in den Wintermonaten stark an. BCoV Infektionen von Rindern wurde bereits auf allen Kontinenten bestätigt und globale Studien zeigen, dass über 90 % der Rinder während ihrer Lebenszeit mit den Viren in Kontakt kommen. BCoV sind - wie auch andere Coronaviren - in der Lage Interspezies-Barrieren zu überwinden. So wurden Genomvarianten von BCoV (auch als BCoV-ähnliche (bovine-like CoVs) Viren bezeichnet) außer in Rindern auch in anderen Wiederkäuern wie Wasserbüffeln, Schafen, Ziegen, Dromedaren, Lamas, Alpakas, Hirschen, Wildrindern, Antilopen und Giraffen nachgewiesen. BCoV-ähnliche Viren wurden dabei in durchfallerkrankten, aber auch gesunden wilden Wiederkäuern gefunden. Berichte über respiratorischen Erkrankungen von Wildtieren nach einer Infektion mit BCoV-ähnliche Viren gibt es bislang nicht. Im Menschen wurde bislang erst eine BCoV-Variante in einem Kind mit akuter Diarrhoe nachgewiesen. In den Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 462: „Einstufung von Viren“ wird BCoV daher momentan gemäß Biostoffverordnung in die Risikogruppe 1 mit dem Index t2 (Wildtierpathogen) eingestuft.
Nach § 5 Abs. 1 GenTSV i. V. m. den Kriterien in Anlage 1 GenTSV ordnet die ZKBS das Bovine Coronavirus als Spender- und Empfängerorganismus für gentechnische Arbeiten der Risikogruppe 2 zu. Bei BCoV handelt es sich um ein weltweit vorkommendes Tierpathogen, welches vor allem bei Rindern und anderen Wiederkäuern Erkrankungen des Verdauungstrakts und der Atemwege hervorruft und so zu schweren wirtschaftlichen Schäden führen kann.
Die ZKBS Stellungnahme kann unter dem Aktenzeichen Az. 45242.0191 abgerufen werden.