Stellungnahme der ZKBS zur Risikobewertung von Mammarenavirus tietense
Dr. Alexander Heinick
Die aktuelle ZKBS-Stellungnahme stuft das Arenavirus als Spender- und Empfängerorganismus für gentechnische Arbeiten ein.
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Arenaviren sind in der biologischen und medizinischen Forschung ein wichtiges Werkzeug, um Virus-Wirt-Interaktionen und virale Replikationsmechanismen zu verstehen sowie antivirale Strategien und Impfstoffe zu entwickeln, weshalb die Stellungnahme hier beschrieben werden soll. Mammarenavirus tietense (früher Tietê mammarenavirus) gehört innerhalb der Familie der Arenaviridae zum Tacaribe-Komplex des Genus Mammarenavirus. Das Genom besteht aus zwei Segmenten (L und S) einzelsträngiger ambisense-RNA.
M. tietense wurde erstmalig im Jahr 2007 mithilfe von RT-PCR in Milz- und Lungenproben vermeintlich gesunder Fledermäuse der Spezies Carollia perspicillata (Brillenblattnasen) nachgewiesen, die in der Nähe des Rio Tietê (Bundesstaat São Paulo) in Brasilien gesammelt wurden. Phylogenetische Analysen zeigten, dass M. tietense am nächsten mit Mammarenavirus tacaribeense verwandt ist.
Der Wirtsbereich von M. tietense ist bisher noch unbekannt und das Virus konnte bislang nicht in Zellkultur isoliert und vermehrt werden. Weitere Informationen zu Verbreitung, pathogenem Potenzial und möglichen Übertragungswegen von M. tietense liegen nicht vor. Zumindest für das verwandte M. tacaribeense ist jedoch bekannt, dass es insbesondere bei experimentell infizierten Fruchtfledermäusen eine Erkrankung mit Flügel-, Ohren- und Kopfzittern, Koordinationsstörungen und einen Verlust der Flugfähigkeit verursachen sowie zum Tod der Tiere führen kann. Eine weitere Laborinfektion mit M. tacaribeense ging mit milden, grippeähnlichen Symptomen einher.
Die Empfehlung der ZKBS lautet, dass das Mammarenavirus tietense als Spender- und Empfängerorganismus für gentechnische Arbeiten der Risikogruppe 2 zugeordnet wird, da bislang nur sehr wenige Informationen zu M. tietense vorliegen und nicht auszuschließen ist, dass der Wirtsbereich des Virus neben Blattnasen-Fledermäusen weitere Tierarten und möglicherweise auch den Menschen umfasst. Aufgrund der engen Verwandtschaft zu M. tacaribeense ist aber aktuell lediglich von einem geringen Gefährdungspotenzial für Mensch und Tier auszugehen.
Die aktuelle Stellungnahme der ZKBS mit dem Aktenzeichen 08020204.0005.0020 finden Sie hier.