Zuordnung von Talimogen laherparepvec (Imlygic®) und JS1/34.5-/47-/mGM-CSF in die Risikogruppe 1

Dr. Joachim Kremerskothen

ZKBS-Stellungnahme zur Risikobewertung von Talimogen laherparepvec (Imlygic®) und JS1/34.5-/47-/mGM-CSF als Spender- oder Empfänger-organismen gem. § 5 Abs. 1 GenTSV (2019)

Das Human alpha herpesvirus 1 (auch Herpes simplex virus 1, HSV-1) ist ein global verbreitetes obligates Pathogen des Menschen. Experimentell können jedoch auch andere Spezies wie Hasen und Nagetiere infiziert werden. Das Virus mit einem Doppelstrang DNA-Genom wird gewöhnlich in der Kindheit oder durch sexuelle Kontakte bei jungen Erwachsenen übertragen. Die Infektion erfolgt über direkten Kontakt, auch eine Übertragung über Tröpfchen ist möglich. Das Virus verbleibt nach der Erstinfektion latent in neuronalen Zellen bzw. Ganglien und kann reaktiviert werden. Häufige klinische Symptome einer HSV-1-Infektion stellen Infektionen der Schleimhäute, anderer Hautpartien (z. B. der Finger), der Augen sowie der Genitalien dar. In seltenen Fällen kann es nach einer HSV-1 Replikation im Gehirn zu schweren neurologischen Schädigungen kommen. HSV-1 wurde als Spender- und Empfängerorganismus für gentechnische Arbeiten durch die ZKBS in die Risikogruppe 2 eingestuft.

Die Stellungnahme kann unter dem Aktenzeichen Az. 45242.0134 abgerufen werden.

Talimogen laherparepvec (JS1/ICP34.5-/ICP47-/hGM-CSF) basiert auf dem HSV-1-Stamm JS1, der aus einem Fieberbläschenabstrich einer ansonsten gesunden Person isoliert wurde. Talimogen laherparepvec ist durch verschiedene Gendeletionen attenuiert und repliziert fast ausschließlich in Tumorzellen. Für die klinische Anwendung wurde in das Genom von Talimogen laherparepvec das Gen für den humanen granulocyte-macrophage colony-stimulating factor (hGM-CSF) inseriert. hGM-CSF ist an der Proliferation und Differenzierung der Vorläuferzellen von Granulozyten und Makrophagen beteiligt und ist unter dem Namen Leukine® als Medikament zugelassen. Talimogen laherparepvec ist genetisch stabil, eine Reversion zum virulenteren Wildtyp wird als sehr unwahrscheinlich angesehen. JS1/34.5-/47-/mGM-CSF ist eine Variante von Talimogen laherparepvec, die anstelle des humanen GM-CSF die murine Variante dieses Gens (mGM-CSF) enthält und entwickelt wurde, um die Wirkung von Talimogen laherparepvec in Mäusen zu untersuchen.

Im Dezember 2015 wurde Talimogen laherparepvec in der EU unter dem Namen IMLYGIC® als Arzneimittel zur Behandlung von Melanomen bei Erwachsenen zugelassen. In der Präklinik erwies sich Talimogen laherparepvec vorher bei Verabreichung von einer bis zu 60-fachen Humandosis an Mäuse, Ratten und Hunde als sicher. Einige der präklinischen Daten wurden mithilfe von JS1/34.5-/47-/mGM-CSF in Mäusen erhoben. In den klinischen Studien zeigte sich eine allgemein gute Verträglichkeit von Talimogen laherparepvec. Zu den häufig auftretenden Nebenwirkungen einer Behandlung mit Talimogen laherparepvec zählten Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Müdigkeit, Influenza-ähnlichen Symptomen, Schmerzen oder Reaktionen an der Einstichstelle sowie Muskelschmerzen. Als schwere Nebenwirkungen wurden in selten Fällen Cellulitis, Glomerulonephritis, Vaskulitis, Pneumonitis und Venenthrombosen beschrieben. Die Empfehlung kann unter dem Aktenzeichen Az. 45242.0134 abgerufen werden.

Zurück zum Blog

Weitere Artikel im AGCT-Gentechnik.report